Es gibt Religionen, die keinen Spass verstehen. Vom Christentum kann man das nicht behaupten. Feiern, lachen und
Humor sind Teil der christlichen Lebensweise. So wird in katholischen Gegenden die Fasnacht ausgiebig gefeiert, bevor mit dem Aschermittwoch eine Zeit der Besinnung auf Ostern hin anbricht. In Schnitzelbänken und Themenwagen werden aktuelle Vorgänge kommentiert und Ereignisse, über die man sich geärgert hat, mit Humor aufgearbeitet. In einigen Worten Jesu kommt dessen Sinn für Humor zum Vorschein. Im Lukas-Evangelium nimmt Jesus die Heuchler ins Visier und karikiert ihr Verhalten mit komischen Bildern: «Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht??... Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.» Man muss sich das einmal bildlich vorstellen!
Humor ist eine bewährte Strategie, um schwierige Erfahrungen zu verarbeiten. Satiriker nehmen Themen aus Politik und Gesellschaft auf und kommentieren sie auf ihre eigene Art, manchmal hart an der Grenze des Erträglichen. Eine besondere Form des Humors ist der Galgenhumor, der sich dem Tod stellt, dem letzten Spielverderber, wie ihn ein Autor einmal genannt hat. In einem seiner Briefe macht Paulus dem Tod eine lange Nase und stellt ihm den Ostersieg Jesu vor Augen. «Verschlungen ist der Tod vom Sieg», schreibt er nach Korinth. «Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?» Ein ausgeprägter Galgenhumor ist vom heiligen Laurentius überliefert, der als Märtyrer verehrt wird. Im Jahr 258 wurde er auf einem Rost über dem Feuer zu Tode gequält. In der Legende wird von ihm erzählt, dass er auf dem Feuerrost zu seinem Henker gesagt haben soll: «Die eine Seite hast du gebraten, so brate auch die andere!» Mit Humor lassen sich die schweren Seiten des Lebens besser ertragen.