Bei der Arbeit blüht Peter Fankhauser auf. Unter anderem gehören Verpackungsarbeiten zu seinen Aufgaben. / Bild: zvg
Bärau: Vor 50 Jahren trat Peter Fankhauser in die ADW-Werkstatt der Stiftung BWO ein. Heute, mit 68 Jahren, arbeitet der vielseitig einsetzbare Mitarbeiter immer noch Tag für Tag.
«Los geht es um 8.30 Uhr, und um 16.45 Uhr bin ich fertig. Ich arbeite von Montag bis Freitag», erzählt Peter Fankhauser. Sofort sieht man, dass sich der fröhliche Mann in der ADW-Werkstatt wohlfühlt. Er ist zu 100 Prozent IV-Rentner. Auch zu 100 Prozent überzeugt er mit seinen bedachten, klar verständlichen Antworten. Er sei in Rumendingen zur Schule gegangen, seine Ferien habe er daheim verbracht. Sein Weg führte ihn schliesslich zur damals neu gegründeten Stiftung BWO nach Langnau - «noch beim Konsum vorne», wie er sagt. Er habe in Sumiswald-Grünen gewohnt und sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bärau gependelt. Seit einigen Jahren lebe er nun auch hier.
Der Bereichsleiter der Werkstatt, Daniel Steiner, der sich fürs Gespräch ebenfalls an den Tisch setzt, wiederholt bestimmte Fragen ruhig und gekonnt in passenden Worten. Die beiden kennen sich seit 35 Jahren und schätzen sich.
Geliebtes Rivella
Mittags bleibt Peter Fankhauser stets in der Werkstatt, bei jedem Wetter gehöre aber ein Spaziergang mit Kolleginnen und Kollegen an der Ilfis dazu. Dank des Rollators sei dies gut möglich. Ja, er sei stolz auf sein 50. Arbeitsjubiläum. «Ich arbeite gerne mit den Händen und bin motiviert. In der Werkstatt vergeht die Zeit gut, und es ist schön hier», sagt er. «Warum soll ich also jetzt nicht mehr arbeiten?» An der Jahresabschluss-Feier sei er sogar auf die Bühne gerufen worden. «Weil ich Rivella so gerne mag und jeden Mittag und zum Zvieri eine Flasche trinke, erhalte ich nun 50 Mal einen halben Liter Rivella geschenkt.» Es sei ein einmaliges Jubiläum, ergänzt Daniel Steiner. «Das hat es bei uns noch nie gegeben und entsprechend gab es kein Standard-Geschenk wie bei anderen Jubiläen.»
Sehr vielfältiges Aufgabengebiet
Daniel Steiner macht deutlich, dass Peter Fankhauser sich stetig weiterentwickelt habe und weiterhin ein verlässlicher, vielseitig einsetzbarer Mitarbeiter sei. Aktuell arbeiten 120 Leute mit Unterstützungsbedarf in der Werkstatt, wobei alle Gruppenleitenden eine technische Ausbildung und einen arbeitsagogischen Hintergrund haben. Der Kundenstamm der Werkstatt umfasst Firmen aus den Branchen Metallindustrie, Lebensmittel, Pharma und Uhrenindustrie. «Peter hat in all den Jahren zum Beispiel Küchenuhren montiert, Bohrarbeiten ausgeführt oder Heizdrähte für Haarföhne vorbereitet. Bis heute gehören viele Montage- und Verpackungsarbeiten zu seinen Aufgaben», so Steiner. «Es wäre jedoch nicht möglich gewesen, Peter Fankhauser im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen.» Angesprochen auf die vermehrt diskutierte inklusive Arbeitswelt betont Daniel Steiner, bei ihnen erfolge die Unterstützung auf Augenhöhe, gefördert werde man nach den individuellen Ressourcen.
Ergänzung zum ersten Arbeitsmarkt
Am Beispiel von Peter Fankhauser zeige sich, dass sich dieser auch dank den Erfolgserlebnissen zu einem fleissigen Mitarbeiter entwickelt habe. «Im ergänzenden Arbeitsmarkt werden unter anderem für die Industrie viele Dienstleistungen erbracht, die in der Herstellerkette ein wichtiger Faktor sind», sagt Daniel Steiner und betont den volkswirtschaftlichen Beitrag. «Die Werkstätten repräsentieren eine Ergänzung zum ersten Arbeitsmarkt. Auch zukünftig wird eine Vielfalt verschiedener Arbeitsmärkte mit unterschiedlichen Stellenangeboten notwendig sein», ist er überzeugt. So könne man den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. «Den Übertritt von IV-Lernenden in den ersten Arbeitsmarkt unterstützen wir vollumfänglich. Wir konnten mit einigen innovativen Firmen ein Netzwerk aufbauen», erklärt Daniel Steiner. In dieser Hinsicht habe sich gesellschaftlich viel verändert – «und wir schenken der Integration, Mitwirkung und Inklusion sehr grosse Beachtung». Was Peter Fankhauser derweil noch einfällt: «Ich habe auch lange den Essenswagen in der Küche abgeholt und im Küchenteam mitgeholfen. Dazu gehörten auch die Essensausgabe und der Abwasch.» Man spürt deutlich: Peter Fankhauser hat sein Leben im Griff und seine Anwesenheit ist ein Gewinn für jeden Mitmenschen.