Steht sie auf der Bühne, ist das Lampenfieber schnell vergessen

Steht sie auf der Bühne, ist das Lampenfieber schnell vergessen
Annemarie Locher spielt in der Gangsterkomödie die Hauptrolle. / Bild: zvg
Oberdiessbach: Das Seniorentheater «Silberdischtle» zeigt, dass man auch im höheren Alter noch frech und amüsant Theater spielen kann. Mit dabei: die 85-jährige Annemarie Locher.

«Alli und doch niemert», oder auf Berndeutsch «Aui u doch niemer» von Sabina Cloesters ist eine Gangsterkomödie, bei der bis zuletzt unklar ist, wer eigentlich schuldig ist. Das unterhaltsame Stück in zwei Akten, welches das Seniorentheater «Silberdischtle» unter der Regie von Esther Widmer auf die Bühne bringt, beginnt und endet dramatisch. Vom Inhalt sei nur so viel verraten: Es geht um einen kostbaren Sonnendiamanten, der bei etlichen Menschen Begehrlichkeiten weckt. Gaby Bucher (Annemarie Locher) ist verantwortlich für den Stein, der im Museum ausgestellt wird, wo sie wohnt und Zimmer vermietet. Seit der Diamant im Museum liegt, sind Buchers Zimmer plötzlich sehr begehrt und bald geht es wild zu und her: Ein Auto wird beschädigt. Mitten in der Nacht kreuzen eine Nachbarin und eine Missionarin auf, es kommt zu Streit und Missverständnissen. Und irgendwann ist klar: Alle oder fast
alle möchten den Sonnendiamanten haben und wenden dafür skrupellos kriminelle Tricks an.


33 Jahre Bühnenerfahrung

Annemarie Locher ist seit 2012, dem Gründungsjahr der «Silberdischtle», dabei. Die Gruppe zählt nur noch acht Mitglieder. «Mehr werden es wohl nicht mehr», mutmasst Annemarie Locher. Sie ist mit ihren 85 Jahren die älteste Mitspielerin, sieht aber keinen Grund, deshalb mit dem Theaterspielen aufzuhören. Sie will weitermachen, solange die Gruppe exis-tiert. «Das Auswendiglernen ist etwas schwieriger geworden, aber nur unwesentlich. Einmal mehr lesen, und es geht», sagt sie und erinnert sich, dass es ein grosser Schritt war, überhaupt den Mut zu finden, auf einer Bühne
zu stehen. Das hat Annemarie Locher während 20 Jahren im Jodlerklub Fluebuebe geübt, bis sie zu der Theatergruppe «Silberdischtle» wechselte. Für das Theaterspielen nimmt Annemarie Locher eine längere Anfahrt mit dem Auto in Kauf, was im Winter problematisch sein kann. Sie wohnt auf der Anhöhe Obere Hauben in Oberdiessbach. Andere Hobbies haben neben Familie, Haus und Garten kaum Platz. «Meine wichtigste Freizeitbeschäftigung ist das Auswendiglernen», sagt Locher.


196 Einsätze im Stück

Wie steht es mit dem Lampenfieber? Annemarie Locher überlegt, bevor sie antwortet: «Etwas nervös ist man natürlich schon. Ich spüre es hinter der Tür beim Warten auf den Auftritt.» Kaum steht sie auf der Bühne, sei das Gefühl vorbei. Manchmal vergesse man ein Satz, was aber allen passiere. 196 Einsätze hat Annemarie Locher im neuen Stück, zum Teil sind es lange Passagen, bei denen schon einmal ein Wort untergehen kann. «In diesem Fall haben wir eine Souffleuse. Und notfalls kann man auch improvisieren», sagt die erfahrene Schauspielerin und lacht.

20.03.2025 :: Laura Fehlmann (lfc)