Überragende Sina Siegenthaler führt die Schweiz zu Bronze an der Heim-WM

Überragende Sina Siegenthaler führt die Schweiz zu Bronze an der Heim-WM
Sina Siegenthaler präsentiert ihre Bronzemedaille aus dem Mixed-Team-Wettkampf. / Bild: Miha Matavz
Snowboardcross: Was im Einzel-Wettkampf noch nicht gelang, holte sie im Teamwettkampf nach - Sina Siegenthaler gewinnt mit Valerio Jud Bronze an der WM in St. Moritz.

«Es war eine Achterbahnfahrt», sagte Sina Siegenthaler gleich im Anschluss an das letzte Rennen über die WM in St. Moritz. «Aber es ist aufgegangen, es ist richtig cool.» Soeben hatte die Schangnauerin gemeinsam mit Valerio Jud die Bronzemedaille im Team-Wettkampf gewonnen. «Ich wollte diese Medaille unbedingt. Das war mein Ziel, seit ich wusste, dass die WM in der Schweiz stattfindet.» Und es ist nicht irgendeine Medaille. Es ist die erste Schweizer WM-Medaille im Snowboardcross seit 16 Jahren. Und die erste im Mixed-Team überhaupt.


Schnellste in der Qualifikation

Die Achterbahnfahrt ging gleich zu Beginn senkrecht nach oben: In der Qualifikation war Sina Siegenthaler die Schnellste überhaupt. Mit viel Selbstvertrauen ging sie in den Einzelwettkampf vom Freitag, wo sie sich gute Chancen ausrechnete. Doch die Achterbahn ging an diesem Tag kontinuierlich runter. Im Viertelfinal kollidierte die 24-Jährige mit ihrer jüngeren Berner Teamkollegin Noemie Wiedmer. Auf den ersten beiden Positionen liegend, kamen beide Schweizerinner zu Fall. Als zweitklassierte zog wenigstens Sina Siegenthaler noch in den Halbfinal ein. In diesem gelang ihr ein super Start und sie lag lange in Führung - bis die Gegnerinnen aus dem Windschatten kamen, die Schangnauerin eingeklemmt und daraufhin überholt wurde. «Ich habe einen ganz kleinen Fehler gemacht», sagt sie rückblickend, «aber einfach auch viel Wettkampfpech gehabt.» Das Pech wurde sie auch im kleinen Final nicht los: Kurz nach dem Start wurde sie erneut eingeklemmt und kam zu Fall. Trotz guter Form resultierte nur Rang 8. «Dieser Tag war schwer abzuhaken. Ich habe am Abend extrem gehadert», erzählt Sina Siegenthaler. «Ich konnte nicht umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte, wusste aber nicht genau, wieso.» Sie habe deshalb auch kaum geschlafen. Erst mit dem Training am Samstag verfliegt der Ärger und kommt das Selbstvertrauen zurück.


Dreifache Aufholjagd

Die Medaillenchancen im Teamwettkampf habe sie als wesentlich kleiner eingeschätzt, sagt Sina Siegenthaler rückblickend. Erschwerend kam hinzu, dass der Schweizer Teamleader Kalle Koblet nicht rechtzeitig fit wurde. So startete sie gemeinsam mit dem 22-jährigen Valerio Jud, der im Weltcup noch nie ein Top-10-Ergebnis erreicht hat. Dennoch sollte die Achterbahn steil nach oben gehen. Richtig steil. Im Team-Wettkampf starten immer die Männer zuerst, was sich für das Schweizer Duo als grosser Vorteil herausstellen sollte. Jud tat sein Bestes, konnte aber nicht verhindern, dass Siegenthaler in jeder Runde erst als letzte Frau in den Kurs starten durfte. Bereits im Viertelfinal aber holte die Schweizer Teamleaderin in einem starken Heat über eineinhalb Sekunden Rückstand auf und fuhr auf Rang 1. «Ich habe mich auf dem Kurs sehr sicher gefühlt, deshalb ging ich mit Selbstvertrauen an den Start.» Der Viertelfinal habe ein noch besseres Gefühl gegeben. Noch extremer war der Halbfinal: Jud kam mit fast drei Sekunden Rückstand ins Ziel. «Ich habe mich voll auf mich konzentriert, als wäre es ein Quali-Lauf», sagt Siegenthaler. «Und ich habe mir keinen Druck gemacht. Jeder hätte verstanden, wenn ich es nicht hätte aufholen können.» So auch SRF-Kommentator Jeroen Heijers: «Sieht eigentlich unmachbar aus, wenn man sich diese Abstände anschaut.» Doch Siegenthaler flog richtiggehend an den Konkurrentinnen vorbei und zog in den Final ein. Dort hielt Jud den Rückstand in Grenzen, Siegenthaler überholte erneut eine Konkurrentin und fuhr hinter Frankreich und Australien zu Bronze. Schon am Montag ist Sina Siegen-thaler nach Kanada gereist, wo am Wochenende die beiden letzten Weltcuprennen der Saison anstehen.

03.04.2025 :: Micha Strohl (msz)