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Schräglage

Wer kennt sie nicht, die allseits im Transportwesen geliebten Kipper. Eine Ladung wird von A nach B transportiert, durch Hydraulik wird die Ladefläche schräg gestellt und das Ladegut rutscht die Rampe hinunter auf den Boden. Jedes Jahr im Januar ist bei mir auch ein Kipper im Einsatz. Allerdings nicht real, sondern in Form eines virtuellen Kippers auf meinem Bankkonto. Da ist es mir gelungen, bis Dezember etwas Geld anzuhäufen, dann kommen die ganzen Jahresrechnungen – und siehe da, mein Bankkonto gerät in Schräglage. Die Banknoten rutschen hinunter in den Schlund der Steuern, Versicherungen und anderen Institutionen. Krank werden, Zahnschmerzen oder grössere Anschaffungen kann ich mir in dieser Zeit dann nicht mehr leisten. Da würde dann nämlich auch das Sparkonto gewaltig Schlagseite bekommen oder gar versiegen. Aber nun, dieses Schicksal trage ich mit vielen anderen und deshalb tue ich es mit Fassung und erhobenen Hauptes – trotz Geldabfluss. 

Wer allerdings, wie ich, die Schlagzeilen der Zeitungen ein wenig im Auge hat, der wird feststellen, nicht nur mein Konto hat Schräglage. Das WEF in Davos wird sicher auch einen Schief-
stand im Budget aufweisen. Schon Wochen vorher wurden in den Schlagzeilen hochkarätige Gäste angepriesen und die Drohung der Mullahs in einer Schweizer Boulevard-Zeitung. «80 Millionen Dollar Kopfgeld auf Trump ausgesetzt» hat sicher noch die eine oder andere Geldnote gekostet. Herrgottsterne, wer hat nur so viel Geld?
80 Millionen Dollar! Ein Prozent davon würde meinem Konto schon einen enormen Ausgleich, beziehungsweise Aufschwung, geben. Ich bin auf die Endabrechnung des Spektakels gespannt. Davos, ein Sicherheitstrakt von mehreren Millionen Schweizer Franken, damit sich die Berühmtheiten austauschen. Was wohl der «Normalbürger» der Region Davos davon mitbekommt und ob er wohl entlohnt wird, wenn er mit all den Strassensperren und Umwegen, beziehungsweise dem Fluglärm, leben muss? 

Wenn ich nun ein Blatt Papier zur Hand nehme und mir die ganzen Zahlen der vorherigen WEF-Treffen sowie das Kopfgeld zusammenrechne, dann kann ich die Summe nicht mehr aussprechen. Da fehlt mir völlig die Vorstellungskraft, wie hoch der Stapel mit Geldscheinen wohl wäre. Eine Wand reicht da nicht aus, eher ein Haus, aber mit wie vielen Stockwerken? Was ich allerdings sicher weiss, ist, wenn all das Geld oder auch nur ein Teil davon in die AHV oder eine sonstige gemein-
nützige Institution fliessen würde, wären viel mehr Menschen glücklicher, weil das die Zukunft sichert.
Aber mich fragt ja keiner.


23.01.2020 :: Martina Jud Sörenberg

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