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Frühlingserwachen trotz allem

Nein, als Aufruf zum zivilen Ungehorsam sollte meine Kolumne jetzt bitte nicht verstanden werden. Die Anweisung, möglichst zu Hause zu bleiben, mögen Sie bitte weiterhin befolgen. 

Aber ein bisschen Spielraum wird uns doch gelassen. Unter Vermeidung von Gruppenbildung und unter Einhaltung minimaler Abständen dürfen wir einen kleinen Spaziergang vielleicht doch mal riskieren. 

Ich meine damit nicht den Gang in den nächsten Supermarkt, ich schreibe vielmehr vom Spaziergang über die Wiesen oder durch die Wälder.

Und die halten zurzeit viel Wunderbares für uns bereit.

Überall haben sich büschelweise schon die Primeli ausgebreitet. Solidarisch unterstützt durch Veilchen, Maiglöckchen und kleine Hyazinthen, zieren sie blassgelb, violett und in reinstem Weiss Gärten, Parks, Hänge und Strassenränder.

Stolz recken die Aprilglocken ihre leuchtenden Kelche der Sonne entgegen und stehen ihrerseits im strahlenden Wettstreit mit den üppig gold-blühenden Forsythien-Sträuchern, eine Orgie in Gelb.

Auf den Matten versuchen sich die Gänseblümchen, die wir liebevoll Margrittli nennen, gegen das schnell wachsende frische Gras zu behaupten. Ab und an kriegen sie bereits mutige Unterstützung durch einzelne Löwenzahnblüten.

Staunend habe ich bereits blühende Magnolien entdeckt. Und während der Seidelbast bereits wieder am Verblühen ist, zeigen sich die verschiedenen Zierkirschensträucher in rosarot leuchtender Pracht.

Im Wald breitet sich das saftige und weissblütig gesprenkelte Grün der Geisseblüemli über das Braun der toten Blätter aus, während die Laubbäume ihre zartgrünen, im Sonnenlicht silbrig scheinenden Jungblätter austreiben.

Aber nicht nur die Pflanzenwelt erfreut das Auge. 

Der weithin hörbare Ruf eines Raubvogels lässt mich den Blick suchend durch das Blau des Himmels schweifen. 

Unbeschreiblich schön zu sehen, das schwerelose Gleiten eines Rotmilan-Paares, erst recht, wenn diese präch-tigen Vögel majestätisch über einen hinwegziehen und das Sonnenlicht durch ihr Gefieder scheint. Da muss doch in jedem Menschen ehrfürchtige Freude aufkommen.

Nein, die Natur lässt sich durch hinterhältige Viren nicht aufhalten und will uns so in dieser schwierigen Zeit etwas von allzu trüben Gedanken und Ängsten ablenken und erfreuen.

Häbet Sorg und blybet gsund!

26.03.2020 :: Peter Leu, Biglen

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