Hexenschuss oder Elfenpfeil?

Mich hat es wieder einmal erwischt. Einmal bücken und die Hexe hat mich getroffen, ein gezielter Schuss in den Rücken! Anstelle von Garten, Spazieren, Wandern oder mit der Familie eine Fahrradtour machen, liege ich nun schon seit zwei Tagen da. Die Hexe schiesst bei mir oft aufs Wochenende hin, wenn jegliche helfende Hand nicht verfügbar ist. Am Anfang kann ich es mit Humor nehmen und gebe mich würdevoll geschlagen. Ich nehme es nicht persönlich und mache das Beste daraus. Doch spätestens, wenn die ersten Sprüche über Hexen fallen, da fängt es an, in mir zu kribbeln. Die Situation erweckt dann tatsächlich dieses böse Hexengefühl in mir. Der Schmerz sticht wie eine Bestrafung, der Buckel wird immer krummer, die Stimmung immer schwärzer und auf einmal beginne ich zu fluchen und aus meinem Munde entwischen Verwünschungen aller Art. Es wachsen grosse Pickel auf meiner Nase und in meinem Kopf befindet sich nur noch teuflisches Gedankengut!

Doch heute dringt wie durch ein Wunder ein ganz heller, klarer Gedanken zu mir durch: «Was, wenn es keine böse Hexe war, die mir diesen Schuss gesetzt hat? Was, wenn es eine liebevolle Fee oder eine Elfe war, die mit einem Liebespfeil auf meinen Rücken geschossen hat, weil sie gesehen hat, dass ich dringend Ruhe und Besinnung brauche? Was, wenn ich mich auf einmal ganz liebevoll um diesen Schmerz im unteren Rücken kümmere? Was, wenn ich mich für einmal ganz auf diese sanfte Liebe einlassen würde, die von diesem Pfeil und dessen Absender ausgeht?

Während ich diese Fragen in den Raum stelle, entspannt sich mein Rücken vollständig, mein Herz, meine Gedanken werden friedlich und freundlich. Die böse, schwarze Hackennasehexe stellt ihren Besen in die Ecke und der grüne, giftige Zaubertrank löst sich in Luft auf. Statt­dessen höre ich Bienen summen und Vögel pfeifen. Ich sehe Elfen tanzen. Zwischendurch halte ich inne und hoffe, dass dies alles nicht von den Schmerzmitteln kommt, die ich einnehme. Doch eigentlich ist es mir egal, von wo diese Eingebungen kommen, sie sind angenehm, wirken sich be­ruhigend auf mein System aus und lassen mir Zeit, endlich diese Kolumne zu schreiben anstelle von bösen Flüchen in den Tag zu schicken. 

In diesem Sinne schicke ich Ihnen aus tiefstem Herzen Elfenpfeile, wie auch immer sie bei ihnen ankommen mögen. Denn Sie wissen ja jetzt, sie dürfen sich in die Situation entspannen, es war keine böse Hexe, die geschossen hat. Es war ein Pfeil voller Liebe von einer Fee oder Elfe oder so.

27.03.2025 :: Fabienne Diessel-Krähenbühl